Ausgangslage

In der Vergangenheit konnte die deutsche Industrie im internationalen Wettbewerb durch die Qualität und Technologie ihrer Produkte bestehen. Seit einigen Jahren deutet sich jedoch an, dass die Konkurrenten aufgeholt haben. In dieser Situation bietet das Angebot kompletter Problemlösungen aus Produkten und produktbegleitenden Dienstleistungen neue Chancen. Die Flankierung innovativer Produkte mit ergänzenden Leistungen, ist für die Kunden vorteilhafter als der Kauf eines billigeren, technologisch gleichwertigen Konkurrenzprodukts.

Dieses Konzept "Industrie als Problemlöser" zielt darauf ab, den Kunden in der Nutzung des Industrieproduktes aktiv zu unterstützen bzw. ihm den Betrieb sogar abzunehmen. Derartige erweiterte Service- und Betreiberkonzepte können ganz unterschiedlich ausgestaltet sein:

  • Sie können vorsehen, den Betriebszustand des Industrieprodukts beim Kunden zu überwachen und mit Wartungsverträgen Garantien für die Verfügbarkeit abzugeben.
  • Sie können beinhalten, dass Servicepersonal des Herstellers beim Kunden präsent ist, ihm die Optimierung des Betriebszustandes abnimmt und so zu einer umfassenden Erschließung der wirtschaftlichen Potenziale des Industrieprodukts beiträgt.
  • Sie können auch einschließen, dass der Hersteller alle mit dem Betrieb des Produkts verbundenen Tätigkeiten übernimmt und der Kunde lediglich für die Nutzung in Abhängigkeit der Nutzungsstunden oder der erbrachten Stückzahl Zahlungen leistet (Pay on Production).

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Die deutsche Industrie hat den Gedanken, ihren Kunden komplette Problemlösungen anzubieten, in den zurückliegenden Jahren in zunehmendem Maße aufgegriffen. Die hierfür in die Wege geleiteten Projekte thematisierten jedoch die Besonderheiten eines grenzüberschreitenden Angebots umfassender industrieller Servicemodelle noch kaum. Die bei der Realisierung von Betreibermodellen im Ausland auftretenden Fragen der Organisation auf die jeweiligen Märkte zugeschnittener Angebotskombination aus Produkt und Dienstleistung unter Beachtung der Rahmenbedingungen der ausländischen Märkte, der Finanzierung und des Controlling solcher Projekte über die Grenzen nationaler Gegebenheiten hinaus sowie der Schaffung der technisch-organisatorischen und qualifikatorischen Infrastrukturen für die Abwicklung sind für die Unternehmen Neuland.

Die fehlenden Konzepte zur Realisierung von Service- und Betreiberkonzepten im Ausland haben dazu geführt, dass die Auslandsumsätze der deutschen Industrie im Vergleich zu den Inlandsumsätzen zu weitaus geringeren Anteilen aus Dienstleistungstätigkeiten resultieren. Die Industrie ist stark im Sachgut-, jedoch nicht im Dienstleistungsexport. Erweiterte Service- und Betreibermodellangebote für Auslandsmärkte zu organisieren, ist also ein relevantes, bislang jedoch wenig angegangenes Thema. Dies gilt umso mehr für die Bedingungen, wie sie in mittelständischen Industrieunternehmen anzutreffen sind.

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